20 Jahre Deutsch-Israelischer Freundeskreis

20jahre.offeleMit Klezmer Chidesch feiert der Freundeskreis sein 20-jähriges Bestehen. Nach einem Grußwort von Kreisrat Josef Offele als Stellvertreter des Landrates blickt der 1. Vorsitzende auf die Geschichte des Vereins zurück und kündigt eine Studienreise für Pfingsten 2016 an. Anschließend vereinen die Musiker Nostalgie, Melancholie, Liebe und Heiterkeit zu einem Lebensgefühl und bringen mit fetzigen Jazzrhythmen, Improvisationen aus chassidischen Melodien und jüdischen Volksliedern den Saal zum Singen und schließlich auch zum Tanzen. 20jahre.12.10.2015

Grußwort des 1. Vorsitzenden zum 20-jährigen Jubiläum des Deutsch-Israelischen Freundeskreises im Stadt- und Landkreis Karlsruhe mit der Gruppe Klezmer Chidesch am 12. Oktober 2015

Sehr geehrter Herr Offele,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Mitglieder des Deutsch-Israelischen Freundeskreises,
Liebe Gäste,
ich freue mich, Sie heute zu dieser besonderen Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Besonders deshalb, weil wir als Deutsch-Israelischer Freundeskreis mit Ihnen und der Musik von Klezmer Chidesch heute unseren 20. Geburtstag feiern wollen. Bei jüdischen Geburtstagen heißt der Glückwunsch oft ad mea we‘esrim – bis 120- das wäre schön, und wir würden es dem Verein auch Wünschen, auch wenn wir sind dann nicht mehr dabei sind. 20 Jahre DIFK. Eigentlich sind es 21 Jahre, aber das wollen wir nicht so genau nehmen, zumal wir heute auch –nach einigen Veränderungen im Verein- in einer Situation sind, wo wir, nun ja nicht die nächsten 20 Jahre, aber doch die nächsten Jahre und die Weiterentwicklung des Vereins in den Blick nehmen können. Doch dazu später mehr.
Ich erinnere mich wie ich an einem heißen Julitag im Jahre 1994 zur Gründungsversammlung des DIFK im Bürgerzentrum Bruchsal geradelt bin, wir wohnen ortsnah in der Bergstraße. Landrat Dr. Bernhard Ditteney und Botschaftsrat Gerhard Holler hatten diesen Akt über Jahre hinweg vorbereitet. Sicher gibt es über die Umstände viel, auch anekdotenhaftes zu berichten, doch hier kennt sich Herr Holler besser aus. Sie dürfen ihn gerne nachher bei einem Glas Wein ansprechen. Ich darf ihnen, angemessen kurz, die Zusammenhänge aus meiner Perspektive schildern.
Im Herbst 1988, ich war neu als Lehrer für Geschichte und Englisch an der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal, kam die Anfrage aus dem Landratsamt, ob wir einen ehemaligen israelischen Botschafter, Dr. Shimon Avimor, einen persönlichen Freund von Landrat Dr. Ditteney an unsere Schule zu einem Vortrag über den Nahostkonflikt einladen können. Die Anfrage traf den Jüngsten, der direkt von der Referendarausbildung kam. Wir haben die Sache offenbar gut gemacht, denn ein Jahr später kam wieder eine Anfrage und im Jahr darauf, 1990, kam schließlich die Anfrage von Dr. Ditteney, ob wir an der KKS eine israelische Schülergruppe mit 12 Schülerinnen und Schülern sowie zwei Lehrern betreuen und unterbringen könnten. Er wolle die Gruppe aus Anlass des 50. Gedenktages der Deportation der badischen Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940 in den Landkreis Karlsruhe einladen. Jugendaustausch als Antwort auf die deutsch-jüdische Geschichte: eine gute Idee. Und sie hält sich ja bis heute. Vor zwei Wochen war Frau Herb mit einer Gruppe Jugendlicher in unserer Partnerregion Sha’arHanegev in Israel, wie viele Jugendgruppen in den Jahren zuvor. Am 22. Oktober 1990 fand die Gedenkveranstaltung zur Deportation der badischen Juden in angemessener Form mit Kreistag und Gästen aus Israel, organisiert von Schulleiter OStD Horst Merkel –dem späteren langjährigen Schatzmeister des Vereins- an der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal statt. Und … wir erhielten eine Gegeneinladung nach Haifa, woher die israelische Gruppe kam, für April 1991. Wir konnten diese Einladung trotz des Golfkrieges, der im Januar begann und im Februar endete, wahrnehmen. Vorher, an Weihnachten 1990 erhielt ich vorbereitend einen Anruf von Herrn Holler, der auf Weihnachtsurlaub von seinem Posten in Tel Aviv in der Heimat weilte und von unserer geplanten Reise in der Botschaft gehört hatte. So schloss sich der Kreis und wurde zu einem Mosaikstein in der Entwicklung der Kontakte des Landkreises Karlsruhe mit Israel, insbesondere unserer Partnerregion Sha’arHanegev. Diese Partnerschaft wird im nächsten Jahr ihr 25jähriges Jubiläum feiern. Es ist eines der satzungsmäßigen Ziele unseres Vereins, diese Partnerschaft zu begleiten und zu unterstützen. Darüber hinaus stehen Aufklärung und Information über Israel und den Nahen Osten als wichtige Ziele in unserer Satzung und so wurde der Deutsch-Israelische Freundeskreis in den letzten 20 Jahren durch zahlreiche Vorträge und Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten, die vor allem Herr Holler durch seine zahlreichen Kontakte gewinnen konnte, zu einem beachteten Akteur in der kulturellen Landschaft der Stadt und des Landkreises Karlsruhe. Immer wieder freuen wir uns über gut und sehr gut besuchte Veranstaltungen hier im Foyer des Landratsamtes.
Dass dies so bleibt, dafür wollen wir auch in der neuen Vorstandskonstellation seit letztem Jahr sorgen. Herr Holler nimmt nun die Position des 2. Vorsitzenden ein und sorgt für eine effektive Pressearbeit. Herr Dr. Maaß, ebenfalls 2. Vorsitzender, unterstützt mit wertvollen Erfahrungen und Kenntnissen und beteiligt sich an der Moderation unserer Veranstaltungen. Frau Vollweiter ist als Schatzmeisterin an die Stelle von Herrn Merkel getreten und Frau Herb hat seit 21 Jahren in bewährter Weise die Geschäftsführung inne. Ich möchte an dieser Stelle allen Vorstandskollegen ganz herzlich für ihr Engagement und ihre Arbeit danken. Ohne sie wäre das geleistete nicht möglich gewesen, aber auch nicht das noch zu leistende.
Zugleich geht mein Dank an Herrn Landrat Dr. Schnaudigel sowie seine Vorgänger Kretz und Dr. Ditteney, die Verwaltung des Hauses und den Kreistag, die uns nicht nur durch Bereitstellung der Räumlichkeiten, sondern auch ideell und, wo notwendig, logistisch tatkräftig unterstützen. Herzlichen Dank.
Ich hatte bereits gesagt, dass es uns ein großes Anliegen ist, das erreichte Niveau der Vorträge aufrecht zu erhalten. Ich darf in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass voraussichtlich am 17.11. Christoph Reuter, der Spiegel-Reporter mit einem Vortrag über Syrien zu uns kommen wird. Es wird dabei hochaktuell um die Situation der Menschen in Syrien gehen. Herr Reuter ist im Augenblick im Libanon und vor Ort. Der Titel lautet voraussichtlich: Wer kommt und wer bleibt. Wie Menschen in Syrien mit der Katastrophe des Bürgerkrieges umgehen am Beispiel der Flüchtlinge und eines Dorfes. Den Vortrag von Dietmar Schulz über die deutsche Einwanderung „Haifa: Hafen der Hoffnung“ haben wir deshalb auf den 19. Januar verschoben. Sie erhalten in jedem Fall auf dem gewohnten Wege eine Einladung.
Das Erreichte erhalten, Neues entwickeln heißt unser Motto. Vor diesem Hintergrund haben wir unserem Vereinslogo einen neuen Farbtupfer gegeben. Der Kreis des Freundeskreises wird seit neuestem von den deutschen und israelischen Flaggen eingerahmt. Ein aktualisierter Flyer mit Zielen und Aktivitäten des Vereins wurde Ihnen im Vorfeld zugesandt. Bitte geben Sie die Exemplare, die Sie nicht benötigen an interessierte Freunde und Bekannte weiter und laden Sie zu unseren Veranstaltungen ein. Auch unsere Homepage haben wir zeitgemäßen Erwartungen angepasst. Sie hat nun eine neue Adresse: http://www.difkarlsruhe.org und ist noch im Aufbau, enthält aber neben einer Newsletter-Funktion interessante Informationen zu unseren beiden Volontärinnen in Israel. Seit September unterstützen wir zwei junge Frauen, die sich entschlossen haben, ein Jahr in Israel zu arbeiten: Julia Lorenz arbeitet für den erzbischöflichen Jugenddienst Freiburg in Kfar Tikva, dem Dorf der Hoffnung, in Galiläa mit Behinderten und Ester Frisch für die Aktion Sühnezeichen in einem Altersheim für Holocaust-Überlebende und einem Frauenhaus in Jerusalem. Beide sind bei uns fest gebucht und werden über ihre Erfahrungen in einem Vortrag im nächsten Herbst hier bei uns berichten. Wir hoffen damit auch stärker junge Leute ansprechen und interessieren zu können.
Last but not least möchten wir unseren Mitgliedern und weiteren Interessierten eine Israelstudienreise im Jahr 2016 anbieten. Vor dem Hintergrund langjähriger Erfahrungen mit vielen Schüleraustauschreisen und seit 2006 insgesamt fünf Studienreisen für Lehrer und Lehrerausbilder möchten wir den Versuch wagen und in den Pfingstferien 2016, voraussichtlich vom 14.-22.5.2016 eine Reise nach Israel anzubieten. Reiseziele werden sein: Haifa – See Genezareth – Ramallah – Jerusalem – Totes Meer – Mazada – unsere Partner Region Sha’arHanegev – Tel Aviv. Weitere Informationen werden wir Ihnen mit der nächsten Einladung zukommen lassen. Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich per Telefon oder per Mail bei mir. Wichtig für die Verbindlichkeit: eine Anzahlung ist zu leisten bis spätestens 15. Januar. Die Reise kann natürlich nur stattfinden, wenn es genügend Teilnehmer gibt und die Sicherheitslage es zulässt. Dabei stehen wir in ständigem Kontakt mit der Botschaft und Personen vor Ort. Sollte es zu viele Anmeldungen geben, verfahren wir in der Reihenfolge der Überweisung der Anzahlungen.
So, und nun haben Sie lange genug auf die Musik gewartet und die Musiker lange genug auf ihren Einsatz. Klezmer, das heißt „Nostalgie, Melancholie, Liebe und Heiterkeit in einem Lebensgefühl vereinigt“ –so die Homepage- und passt wie der Name der Gruppe Klezmer Chidesch – Klezmer Wunder- gut zu unserem Anliegen und den schweren Gedenktagen am 20. Oktober mit der Deportation nach Gurs und am 9. November, der Reichspogromnacht, die folgen werden. Das jüdische Leben war oft gekennzeichnet durch schwierige, ja Existenz bedrohende Situationen aber auch durch Witz und Heiterkeit. Der gegenwärtig schwierigen Lage vor Ort werden wir uns in der nächsten Veranstaltung am 17. November mit Christoph Reuter wieder zuwenden. Doch heute freuen wir uns, dass wir dank der Vermittlung unserer schatzmeisterin, Frau Vollweiter, Jossif Gofenberg, den Klezmer-König aus Berlin und seine Musiker bei uns haben:
Josif Gofenberg: Akkordeon und Gesang
Igor Sverdlov: Klarinette und Arrangements
Pan Marek: Zimbal und Schlagzeug
Sowie Eugen Miller am Bass.
Freuen Sie sich mit uns über klassische Elemente mit fetzigen Jazzrhythmen, Improvisationen aus chassidischen Melodien und jüdischen Volksliedern, feiern Sie mit uns und, vielleicht, haben Sie im Anschluss noch etwas Zeit für ein Glass Wein oder Saft und ein Gespräch. Wir laden Sie anlässlich unseres Jubiläums herzlich ein. Geren dürfen Sie sich an der grünen Spendenbox am Ausgang revanchieren oder auch indem Sie Ihrem Herz einen Schups geben und Mitglied werden.
Doch jetzt: Bühne frei für Klezmer Chidesch.

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